Wie verständlich ist Kollektivvertrag.at auf dem Smartphone?
Arbeitnehmer:innen testen die mobile Nutzung
Beim UX-Labortag der FH Technikum Wien Academy wurde Kollektivvertrag.at einem mobilen Praxistest unterzogen. Das Ergebnis: Die Website funktioniert grundsätzlich gut. Schwierigkeiten entstehen vor allem dort, wo rechtliche Fachbegriffe nicht mit der Sprache übereinstimmen, die Arbeitnehmer:innen im Alltag verwenden.
Ein Relaunch ist kein Endpunkt. Damit eine Website langfristig hilfreich bleibt, muss sie regelmäßig mit jenen Menschen getestet werden, für die sie gemacht ist. Für Kollektivvertrag.at bedeutet das: Arbeitnehmer:innen sollen kollektivvertragliche Informationen auch dann finden, wenn sie den genauen rechtlichen Begriff noch nicht kennen.
Was bedeutet UX?
UX ist die Abkürzung für User Experience und bedeutet Nutzungserlebnis. Bei einer Website beschreibt UX, wie einfach, verständlich und angenehm sie sich verwenden lässt.
Dabei geht es um ganz praktische Fragen:
· Finden Nutzer:innen die gesuchten Informationen?
· Verstehen sie die Navigation?
· Wissen sie, was sie als Nächstes tun müssen?
Bei einem Usability-Test werden Menschen dabei beobachtet, wie sie typische Aufgaben auf der Website lösen. So werden Probleme sichtbar, die bei einer rein technischen oder fachlichen Prüfung leicht übersehen werden können.
Am 10. Juni 2026 wurde die Nutzung von Kollektivvertrag.at auf mobilen Endgeräten unter realitätsnahen Bedingungen untersucht. Der Labortag war eine Kooperation des ÖGB-Verlags mit dem Master-Lehrgang „User Experience Management“ der FH Technikum Wien Academy und BUSCH LABS.
Arbeitnehmer:innen testen die mobile Nutzung
Beim Labortag in Wien nahmen sechs digital versierte Arbeitnehmer:innen als Testpersonen teil. Sie wurden von BUSCH LABS rekrutiert und an das Projektteam der FH Technikum Wien Academy vermittelt.
Die Untersuchung wurde von Finn Färberböck, Lucas Norer, Robin Schreiner und Sahra-Maria Kreidl aus dem Master-Lehrgang „User Experience Management“ vorbereitet und durchgeführt.
Die Teilnehmer:innen bearbeiteten typische Aufgaben auf Kollektivvertrag.at. Dabei sprachen sie ihre Überlegungen, Erwartungen und Schwierigkeiten laut aus. Diese Methode wird als „Thinking Aloud“, also lautes Denken, bezeichnet.


Untersucht wurde,
· ob die Testpersonen die Aufgaben erfolgreich lösen konnten,
· wie lange sie dafür benötigten,
· wie schwierig sie die einzelnen Aufgaben empfanden,
· wie funktional und ansprechend sie die Website bewerteten.
Die Tests fanden im Testraum der FH statt. Das Projektteam verfolgte die Nutzung und wertete anschließend die ersten Beobachtungen aus.
Vor Ort begleiteten Martin Kastler und Nazanin Bakhtiyarinasab vom ÖGB-Verlag sowie Claudia Hermann, Dietmar Meister vom ÖGB, Wolfgang Hofinger von vida und Nikolaus Menger von PRO-GE den Labortag. So konnten Vertreter:innen der beteiligten Organisationen die Nutzung direkt beobachten und sich mit dem FH-Projektteam austauschen. Beim gemeinsamen Pizzaessen blieb auch Zeit für persönliche Gespräche.
Gute Grundlage mit konkretem Verbesserungspotenzial
Der im Juli 2026 übermittelte Abschlussbericht bescheinigt Kollektivvertrag.at insgesamt eine “gute grundlegende Usability”.
Besonders positiv fiel die thematische Strukturierung der Inhalte auf. Die meisten Testpersonen verstanden sie schnell. Auch die vorgeschlagenen Themenbereiche und die Kategorisierung am Dashboard wurden gut aufgenommen.


Die Kacheln halfen den Nutzer:innen häufig dabei, direkt zu den gesuchten Informationen zu gelangen. Auch die Suchfunktion auf der Startseite schlug den passenden Kollektivvertrag zuverlässig vor.
Die Ergebnisse in Zahlen:
· Sechs Arbeitnehmer:innen nahmen an den Tests teil.
· Die pragmatische Qualität erreichte im UEQ-S einen Mittelwert von 1,0.
· Die hedonische Qualität lag bei einem Mittelwert von minus 0,17.
Vereinfacht gesagt: Die Website erfüllt ihre grundlegenden Aufgaben, bietet beim Erscheinungsbild und beim Nutzungserlebnis aber noch Verbesserungspotenzial.
Wenn Fachsprache zur Suchhürde wird
Die größten Schwierigkeiten traten bei Aufgaben zur Probezeit und zu freien Tagen für persönliche Anlässe auf.
Dabei scheiterten die Testpersonen nicht an mangelnder digitaler Erfahrung. Das Problem lag vielmehr darin, dass die Inhalte nicht direkt im Kollektivvertrag zu finden waren und zudem die Verbindung zwischen alltagssprachlichen Suchbegriffen und den rechtlichen Begriffen auf der Website fehlte.
Diese Erkenntnis ist für die weitere Entwicklung besonders wichtig: Eine Website kann technisch funktionieren und trotzdem schwer zugänglich sein, wenn ihre Sprache und die Platzierung der Inhalte nicht jener der Nutzer:innen entsprechen.
Arbeitnehmer:innen sollen gesuchte Informationen finden können, ohne den exakten rechtlichen Begriff bereits zu kennen. Dafür braucht es verständliche Einstiege und eine bessere Verbindung zwischen Alltags- und Fachsprache.

„Kollektivverträge enthalten viele wichtige Informationen, sind jedoch oft komplex aufgebaut. Umso entscheidender ist es, dass Arbeitnehmer:innen schnell und unkompliziert zu den für sie relevanten Inhalten gelangen. Die Tests liefern wertvolle Einblicke und zeigen klar auf, an welchen Stellen wir die Nutzer:innen noch besser unterstützen und den Zugang zu Informationen weiter vereinfachen können.“
Nazanin Bakhtiyarinasab, Teamleitung KV-Redaktion, ÖGB-Verlag
Laufende Weiterentwicklung nach dem Relaunch
Kollektivvertrag.at wurde im Frühling 2025 neu veröffentlicht. Bereits kurz darauf fand ein erstes Usability-Testessen statt. Aus den Rückmeldungen wurden erste Verbesserungen abgeleitet.
Im Frühjahr 2026 untersuchte das Projektteam der FH Technikum Wien Academy die Desktopversion der Website mithilfe einer heuristischen Analyse. Der Labortag im Juni ergänzte diese Untersuchung um moderierte Tests auf mobilen Endgeräten.
Damit wurde Kollektivvertrag.at etwas mehr als ein Jahr nach dem Relaunch erneut systematisch aus Sicht seiner Nutzer:innen betrachtet. Die Kombination unterschiedlicher Methoden verbindet fachliche Analysen mit dem tatsächlichen Nutzungsverhalten.

„Ein Relaunch ist kein abgeschlossenes Projekt.
Erst durch regelmäßige Tests mit der Zielgruppe sehen wir, wie ein digitales Angebot in der Praxis tatsächlich genutzt wird und an welchen Stellen wir gezielt nachbessern müssen.“
Martin Kastler,User Experience Management, ÖGB-Verlag
Drei zentrale Hebel für die nächsten Schritte
1. Übersichtlichkeit auf mobilen Endgeräten verbessern
Inhalte und Bedienelemente sollen auf kleinen Bildschirmen leichter erfasst und verwendet werden können.
2. Navigation intuitiver gestalten
Die Wege zwischen Suche, Dashboard und Volltextansicht sollen klarer und nachvollziehbarer werden.
3. Benutzeroberfläche situationsbezogen reduzieren
Bedienelemente sollen gezielt dann angezeigt werden, wenn Nutzer:innen sie für den nächsten Schritt benötigen. Nicht benötigte Elemente sollen in diesen Situationen weniger ablenken.
Seit August 2026 werden die Empfehlungen aus dem Abschlussbericht bewertet und gewichtet. Auf dieser Grundlage plant der ÖGB-Verlag die nächsten Umsetzungsschritte.
Gemeinsam an Kollektivvertrag.at arbeiten
Kollektivvertrag.at ist ein Gemeinschaftsprojekt von ÖGB und Gewerkschaften. Der ÖGB-Verlag betreut die Website und entwickelt sie laufend weiter.
Der Labortag verband dabei unterschiedliche Perspektiven: Das FH-Projektteam brachte wissenschaftliche Methoden ein, BUSCH LABS unterstützte bei der Rekrutierung der Testpersonen und Vertreter:innen von ÖGB, Gewerkschaften und ÖGB-Verlag begleiteten die Tests aus der Praxis.
Die Kooperation setzt zugleich die gute Zusammenarbeit zwischen dem ÖGB-Verlag und der FH Technikum Wien fort. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit entstehen regelmäßig Projekte, die wissenschaftliche Methoden mit konkreten Aufgaben aus der Praxis verbinden.
Regelmäßig testen, gezielt verbessern
Digitale Angebote können heute immer schneller erstellt werden. Umso wichtiger ist es, sie an den tatsächlichen Bedürfnissen ihrer Zielgruppe auszurichten.
Maßgeschneiderte Angebote entstehen nicht allein durch technische Umsetzung. Sie brauchen Beobachtung, Rückmeldung und kontinuierliche Verbesserung.
Regelmäßige Tests erfordern Zeit, Organisation und finanzielle Mittel. Aus Sicht des ÖGB-Verlags sind sie eine sinnvolle Investition in Produktqualität, Nutzungserlebnis und laufende Weiterentwicklung.
Digitale Produkte sollten mindestens einmal im Jahr von ihrer Zielgruppe getestet werden.
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