Krisen erkennen. Krisen analysieren. Krisen bewältigen.

ArbeitnehmerInnen verzichten „freiwillig“ auf Lohn und Gehalt, um ihrem Unternehmen aus der Krise zu helfen. Das gleiche Unternehmen – wir reden z.B. von der AUA, KTM, adidas, … – zahlt wenig später den ManagerInnen hohe Boni und/oder den EigentümerInnen Dividenden. Für viele betroffene Beschäftigte und für die breite Öffentlichkeit stellt sich die berechtigte Frage, wer denn da jetzt eine Krise hat? Oder auf wessen Rechnung die Bewältigung der Krise geht?

Zweifellos gibt es Unternehmenskrisen und zweifellos haben viele Unternehmen, z.B. im Zuge der jüngsten „Corona“-Krise, Auftragseinbrüche und rückläufige Gewinne verzeichnet. Corona konnte niemand vorhersehen. Aber die meisten Unternehmenskrisen fallen nicht plötzlich und unerwartet vom Himmel! Krisen frühzeitig zu erkennen ist möglich, verschiedene Instrumente dafür werden im „Ratgeber Unternehmenskrise“ beschrieben, angefangen beim Erkennen erster Anzeichen in den Unternehmensbilanzen bis zu Hintergrundinformationen und Analysen aus den Fachabteilungen von Gewerkschaften und Arbeiterkammern.

Es kommt aber nicht nur darauf an, Krisen frühzeitig zu erkennen und zu analysieren, sondern für die Bewältigung die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die Herausforderungen für BetriebsrätInnen sind dabei vielfältig, vom richtigen Einschätzen der Schwere der Krise über die Kommunikation mit der Belegschaft bis zu den nötigen – und richtigen! – Maßnahmen zur Krisenbewältigung. Richtig kann in einem Fall eine Kurzarbeitsvereinbarung sein, in einem anderen Fall Sozialpläne, Bildungskarenz, Arbeitszeitverkürzung oder vieles andere.

Aber bei der Bewältigung von Unternehmenskrisen dürfen die Lasten und Kosten nicht (einseitig) den ArbeitnehmerInnen aufgebürdet werden! Das wäre nicht nur menschlich nicht richtig, sondern auch ökonomisch dumm und fahrlässig. Dumm und fahrlässig, weil es die Krise ja nur weiter verschärft, wenn man die Einkommen der ArbeitnehmerInnen, also des Großteils der Bevölkerung in Krisenzeiten schmälert. Dann kaufen sie zwangsläufig (noch) weniger, die Umsätze der Unternehmen brechen noch weiter ein, noch mehr Kündigungen sind die Folge und vermindern erneut die Kaufkraft – eben jene „Abwärtsspirale“, die seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre alle kennen! Wer weniger Geld hat, kann weniger Geld ausgeben, so einfach ist es – und für viele Unternehmer offenbar doch so schwer zu begreifen. Langfristig gesehen helfen geringere Einkommen ihrer Beschäftigten auch den Unternehmen daher nicht: Der Schaden, den sie von sich selbst abzuwenden trachten, trifft am Ende doch auch sie – ganz nach Henry Fords viel strapaziertem Spruch, dass „Autos keine Autos kaufen“.

Wenn möglich Partnerschaft – Wenn nötig Streik!

Kluge Unternehmer suchen gerade in Krisenzeiten verstärkten Kontakt zu ihren BetriebsrätInnen – und kluge BetriebsrätInnen holen sich Information, Rückhalt und Unterstützung bei ihren Gewerkschaften und in den Arbeiterkammern. Noch in jeder Krise hat sich die betriebliche und die überbetriebliche Sozialpartnerschaft hervorragend bewährt: Soeben wieder, aber auch schon bei der Bankenkrise 2006. So hat das Sozialpartner- Modell „Kurzarbeit“ in beiden Fällen Schlimmes verhindert! Am Höhepunkt der Coronakrise waren über 1,3 Million Menschen in Österreich in Kurzarbeit! Man stelle sich nur vor, alle diese KollegInnen wären, statt Kurzarbeit zu nutzen, arbeitslos geworden. Dann wären am Höhepunkt der Krise fast 1,9 Millionen Menschen ohne Arbeit gewesen! Wir hätten – nach nationaler Rechnung – eine unfassbare Rate von 52 % Arbeitslosen gehabt!

Aber auch das muss gesagt werden: Reden hilft nicht immer und nicht mit jedem. Wo einzelne UnternehmerInnen nicht zusammenarbeiten wollen, ist es notwendig und richtig, die Interessen der ArbeitnehmerInnen mit harter Hand durchzusetzen. Das ist viel einfacher geworden, seit der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) auch für Österreich bindend festgestellt hat: Die Teilnahme an einem Streik ist weder ein Vertragsbruch noch sonst unerlaubt. Sie darf in keiner Form zu Nachteilen führen (Entscheidungen Demir und Baykara, Tymoshenko ua). Wo reden nicht hilft, können wir also auch „raufen“ – ohne dass wir uns große Sorgen machen müssten!

Passender Buchtipp aus dem ÖGB-Verlag

Die AutorInnen bieten BetriebsrätInnen mit diesem Buch eine Fülle von Instrumenten, um Krisen zu erkennen, zu analysieren und zu bewältigen, einschließlich einer umfassenden Liste von weiterführender Literatur, einschlägigen Linktipps und Kontakten zu Gewerkschaften und Arbeiterkammern.

Ratgeber Unternehmenskrise
von Hauser, Höbart, Hoffmann, Hons, Kraxner, Lang, Leitsmüller, Lugger,  Mitter, Müller, Naderer, Oberrauter, Ofner, Schindler, Schneller

ÖGB-Verlag / 30.09.2021 / 2. Auflage
Buch + e-book
ISBN: 978-3-99046518-9

Im Onlineshop bestellen: shop.oegbverlag.at/unternehmenskrise

Bei dem Beitrag handelt es sich um einen Auszug des Vorworts aus dem Buch „Ratgeber Unternehmenskrise“ – verfasst von René Schindler.