Hoffnungsträger Zivilgesellschaft
Wie wir von "Non Profit" profitieren
Ausgangspunkt der Podiumsdiskussion unter der Moderation von Katharina Klee (Chefredakteurin Arbeit&Wirtschaft) am 16. April in der ÖGB-Fachbuchhandlung war zum einen die grundsätzliche Bedeutung von Non-Profit-Unternehmen. Zum anderen die Fragen: Wovon wird das Arbeiten innerhalb einer NPO bestimmt, und wie sieht es mit der Zusammenarbeit, aber auch dem Wettbewerb zwischen unterschiedlichen NPOs aus?
Einen durchaus engen Zusammenhang zwischen der Zivilgesellschaft und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund sieht Monika Kemperle (Leitende Sekretärin des ÖGB): "Der ÖGB ist daraus entstanden, für die Interessen der Zivilgesellschaft einzutreten. Die Visionen, die für die Gründung der Gewerkschaftsbewegung ausschlaggebend waren, sind heute ebenso lebendig wie eh und je. Die Frage der sozial gerechten Verteilung ist natürlich von Grund auf visionär und eine unserer Kernforderungen: Es kann nicht hingenommen werden, dass ein Teil der Gesellschaft sehr Vieles hat und der andere überwiegende Teil sich das wenige Verbleibende teilen muss." Für Kemperle ist die Zusammenarbeit und der Austausch mit diversen Organisationen und Einzelpersonen der Zivilgesellschaft besonders wertvoll: "Während der ÖGB in seiner Struktur ganz einfach als ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft wahrgenommen wird, ist für uns wiederum die Kooperation mit Organisationen, die teilweise nicht über festgefügte Strukturen verfügen, äußerst fruchbar, weil sich daraus Vielfältigkeit, neue Anstöße und wertvolle Kritikpunkte ergeben. Und für ganz wesentlich halte ich das ständige Nachdenken und eigene Überprüfen unserer Ansprüche und Werte, denen wir uns verpflichtet fühlen - genauso wie den Austausch dazu mit möglichst vielen Menschen."
Für Bernd Lunglmayr von der Katholischen Sozialakademie (ksoe Organisationsentwicklung) ist die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Non Profit Organisationen besonders wesentlich, um gemeinsam noch mehr zu erreichen. Als eine der aktuell größten Herausforderungen sieht er dabei "die gemeinsame Suche nach Visionen und der Wege und Strategien, um dorthin zu kommen. In der Praxis gibt es selbstverständlich Reibungsflächen zwischen den grundsätzlichen Werten und der Realität in und zwischen den Organisationen, eine Vielzahl von Partikularinteressen und auch einen Wettbewerb um die vorhandenen Mittel. Für das Gemeinsame braucht es daher viel ehrlichen Dialog und ein Aufeinander-Eingehen." Das Potenzial für konkrete Visionen und deren Umsetzung sieht er auf jeden Fall: "Es gibt unglaublich viele Menschen, die eine Änderung in Richtung einer sozial gerechteren Welt wirklich wollen."
Eva Angeler (Vorsitzende "Netzwerk Soziale Verantwortung") stellte das Netzwerk vor: "NESOVE ist eine Plattform von NGOs und ArbeitnehmerInnen-Interessenvertretungen, die sich für mehr Verbindlichkeit der sozialen Unternehmensverantwortung einsetzt. Wir zeigen auf, wenn Unternehmen zwar behaupten, sozial verantwortlich zu agieren, es aber nicht tun. Es gilt, die reine Profitorientierung abzuschaffen, und Umwelt- und soziale Ziele in den Vordergrund zu rücken und in die Unternehmensziele zu integrieren. Dazu gehen wir in den Dialog mit Unternehmen, um unser Know How der Verbesserung der sozialen Verantwortung nutzbar zu machen. Ganz besonders wichtig ist uns, dass die Unternehmen den Gedanken der "Corporate Social Responsibility" (CSR) nicht zur Imagepolitur benutzen, sondern dahinter tatsächliche Verbesserungen stehen. Dazu können wir als Instrument bereits einen konkreten Kriterienkatalog anbieten. Ziel ist es sicher auch, daraus in Zukunft eine verbindliche Verpflichtung für die Unternehmen zu erreichen.
Klaus Werner-Lobo ist skeptisch in Bezug auf die Bereitschaft und Fähigkeit von Unternehmen, soziale Ziele in ihre bestehende Ausrichtung zu integrieren. Außerdem sieht er tendenziell zu viel Verantwortung auf die einzelnen KonsumentInnen abgeschoben. Dennoch kann jede/r von uns auch aus seiner Sicht sehr Vieles tun. Ganz konkret schlägt Lobo vier Ansatzpunkte vor:
1. Wir müssen die eigenen Träume leben, statt die Erwartungen anderer zu erfüllen.
2. Wir müssen uns und andere informieren. Jede geschichtliche Verbesserung basierte darauf, dass eine Gruppe von Menschen sich zusammenschließt und etwas Neues erreicht. Also nicht einfach beim Bestehenden mitmachen, sondern aktiv etwas tun, gemeinsam mit Freunden, Organisationen oder Ähnlichem.
3. Es gibt nichts Subversiveres als Spaß! Menschen, die Spaß haben, sind weniger ängstlich und somit nicht dominierbar.
4. Zivilcourage zeigen: Wenn jede/r im eigenen Einflussbereich etwas tut gegen Rassismus, Sexismus, Unterdrückung, Diskriminierung und Homophobie - einfach das, was in der jeweiligen Situation nötig und möglich ist - dann haben wir morgen eine bessere Welt!
www.oegb.at
www.ksoe.at
www.netzwerksozialeverantwortung.at
http://unsdiewelt.com
Eine Veranstaltung des ÖGB-Verlags in Kooperation mit ÖGB, VÖGB und AK Wien.
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